Dezember 2006


Seit einigen Tagen bin ich nun wieder in Lübeck…wer in der Stadt ist und Lust hat, was zu machen, kann mich gerne mal anrufen (o451-492344), mein Handy hat sich leider schon in Mexiko verabschiedet und somit habe ich leider die meisten Nummern nicht mehr :(

Am 11.1 geht es weiter nach Thailand, und natürlich wird es dann auch einen neuen Blog von Flo und mir gemeinsam geben…sobald der Name steht, stelle ich den Link hier rein.

Bis dahin, alles Liebe und Frohe Weihnachten!

Wer dachte, das Comeback von Axel Schulz wäre ein Flop gewesen, der hat am 1.12. wohl keine Nachrichten gesehen; willkommen im Land der sich prügelnden Parlamentarier. Zapatistische Armeen in Chiapas, Bürgeraufstände in Oaxaca, und jetzt noch ein Präsidentschaftswahlen-Verlierer, der seine Niederlage einfach nicht anerkennen will: liebes Mexiko, wo steuerst du nur hin?!

Dazu das treffende Kommentar von Peter, meinem „Schwiegervater in spe“: „Die ganze Welt ist ein Irrenhaus und wie es scheint ist Mexiko das Zentrum„.

Eine richtig gute Nachricht:  Auch Flo hat jetzt einen Praktikumsplatz in Bangkok bei Siemens, und so geht mein Wunsch in Erfüllung, dass wir zusammen gehen können. Der Flug für den 11.1. ist gebucht, er fängt am 15.1. an und ich werde noch zwei Wochen Sprachkurs machen, bis es auch für mich losgeht!

Und was macht die Uni? Drei Prüfungen stehen noch an, 2 am Montag und eine am Mittwoch, dann ist der ganze Spuk vorbei! Und am 12.12. heißt es für mich: Adios, México!

Wie ging es also weiter mit „Kathis und Linda spannender Reise in den Bundesstaat der endlosen Natur und der verrückten Volksaufstände“??? J

 

Montag, 20.11. Nachdem wir Sonntag am Canon de Sumidero und dem Museum Na Bolom waren, wollten wir Montag eigentlich weiter nach Cumitán, einer anderen Stadt weiter im Norden, von der wir unsere Ausflüge zu den Seen (Lagos) von Montebello und Palenque, der Maya-Hochburg starten wollten. Doch, wer hätte es geahnt, ein Aufstand nahm uns die Luft aus den Segeln! Die Zapatisten (eine Gruppe Aufständischer, die unter Kommando des Subcommandante Marcos für das Recht der indigenen Bevölkerung kämpft und in der Vergangenheit auch Touristen gekiddnapt hat), hatten anlässlich des „Dia de la Revolucion“ beschlossen, alle Hauptverkehrstraßen in Chiapas zu sperren. Nun gut, höhere Gewalt, dachten wir und blieben also lieber in San Christobal, sahen uns die Festtagsumzüge an, haben die Kirche entdeckt und gingen auf einen Einheimischen-Markt (O-Ton Kathi: Linda, lass uns bitte umdrehen, die Frau da laust gerade ihr Kind!!!), schliefen den halben Nachmittag und verbrachten den Abend stundenlang in einer Crepe-Bar.

Das war wohl der entspannendste Tag unser Reise- als hätten wir geahnt, was uns am nächsten Tag erwarten würde!

 

Dienstag, 21.11.  Nach diesem wahnsinnig entspannenden Tag beschlossen wir dann, endlich die geplante Tour nach Cumitan anzutreten. Dort wollten wir einen tag bleiben, uns die Stadt ansehen, und am nächsten Tag weiter zu den Seen von Montebello.

Morgens ging es also los mit dem Reisebus, doch bei der Ankunft in Cumitan ahnten wir Schreckliches: Wir sind die einzigen Touris weit und breit, kein anderer sonst im Hotel, in der ganzen Stadt kein ordentliches Restaurant, keine Bar, keine Sehenswürdigkeiten, keine Reiseveranstalter für Touren zu den anderen Städten! Nach einer Stunde verzweifelter Suche nach etwas essbarem (es war ja schon Mittagszeit) fielen wir dann die Entscheidung: Hier können wir nicht bleiben, hier gibt es nichts, aber auch gar nichts! Also zum Hotel, Geld zurück geholt, und weiter zu den Lagos von Montebello, denn da muss es doch was zu gucken geben! Im kleinen Einheimischenbus war es ganz witzig: Kathi beschäftigte sich damit, ein kleines Indio-Kind mit Zimtkeksen voll zu stopfen, während ich die 2 Stunden Fahrt gebannt aus dem Fenster schaute: Natur! So was hatte ich ja lange nicht gesehen! Kühe, Pferde, Maisfelder, dazwischen kleine eher schäbige Dörfer…. . Auch die Ankunft in Montebello war „geht so“: das Areal beträgt etwa 9 ha, und mit Auto hat das einfach mal keinen Sinn. Ein Fremdenführer hat sich dann unserer angenommen und uns mit dem Angebot, uns morgen sie Seen zu zeigen, in eine „Cabana“ gefahren, eine kleine, schäbige Holzhütte irgendwo im nirgendwo, die man nicht abschließen konnte, ohne heißes Wasser, und mit Löchern in den Mosquito-Netzen. Hmmm…nach etwa einer Minute intensiven Nachdenkens (es fiel uns schwer), haben wir den nächstbesten Bus angehalten und sind den 4 Stunden Rückweg nach San Christobal angetreten. Fazit dieser Reise: Individualtourismus hat seine Grenzen.

TShirts sind in Arbeit mit dem Titel „Yo soy fresa y me gusta“ (Ich bin ein Snob und es gefällt mir so).

Wer hätte gedacht, dass dieser eher bescheidene Tag noch einen richtig netten Ausklang nehmen könnte? In San Christobal erwischten wir einen meeeeeeeeeeeeeeeeega-netten Taxifahrer, der uns eine diesmal wirklich schöne Jugendherberge empfahl, warm, günstig, jeder sein eigenes Bett und mit Badezimmer im Zimmer! Der Wahnsinn.

In der Herberge fanden wir auch schnell richtig netten Anschluss: zwei Israelis, einen Franzosen und zwei Italiener(innen), alle in unserem Alter und richtig nett. Zusammen waren wir essen, wobei die Israelis uns ihre Kriegsgeschichten erzählt haben; beide erst 23, wurden gerade aus ihrer 3-jährigen Dienstzeit entlassen und machen nun eine Reise durch Südamerika, um anzuschalten. Als Kathi und ich ins Bett gingen, dachten wir noch: Schade, dass wir die nie wieder sehen. Aber im leben kommt ja immer alles anders, als man denkt…

Mittwoch, 22.11. Eigentlich wollten wir an diesem morgen mit einer Tour ins 4 Stunden entfernte Palenque, aber da die beiden kleinen Prinzessböhnchen ml wieder verschlafen hatten, waren alle Touren schon weg und was blieb war…ein Trip zu den Lagos von Montebello! Als der Bus vorfuhr und die Tür aufging, gab es große Augen: da saßen der Franzose (Thomas) und die Israelis (Moran und Schachal)!!! Dazu noch ein Schweizer-Pärchen (Nikolas und Daila)  und die verrücktesten Gran Canarier (Raul und Manuel) , die die Welt je gesehen hat. Diesmal hat die Tour sich richtig gelohnt, denn mit dieser Truppe war es einfach richtig witzig!  Die Gran Canarier stopften während der gesamten Busfahrt den Fahrer mit Pudding und Schokolade voll, die Israelis gingen voll bekleidet schwimmen (Wechselsachen??) und wir Deutsch-Sprechenden haben uns kaputt gelacht. Angesehen haben wir die Grotten (grutas) von Rancho Nuevo, die Wasserfälle (cascadas) von Chiflón und halt die Lagos, und viele viele Fotos sind dabei entstanden. Ist jetzt ausser Chiflon nichts gewesen, was man unbedingt gesehen haben muss, war aber doch ein netter Tag.

Abends sind dann alle zusammen Kaffee trinken und Pasta essen, und dann hieß es wirklich goodbye und auf wieder sehen! L

 

Donnerstag, 23.11.

Uff, anstrengend! Heute sollte es wirklich den lang ersehnten Trip in die Maya-Stätte Palenque geben! Schon um sieben Uhr ging es los, aber statt unsere Super-Truppe von gestern hatten wir größtenteils Langweiler im Bus sitzen. Nach einem unglaublich schlechten Rührei Frühstück, an dem wir den ganzen tag noch Freude hatten, begann die vierstündige, Magen umdrehende  fahrt über die windigen Bergstraßen. Ich habe keinen empfindlichen Magen, aber dass ich mich nicht wirklich übergeben musste, halte ich für ein Wunder.

Zuerst fuhren wir an den Cascadas (Wasserfälle) Aguas Azules (blaue Wasser) und an Misol-Ha vorbei, die beide wunderschön waren.

Palenque ist aber wirklich der Wahnsinn!

Kleine Einführung: „Palenque war eine der bedeutendsten Mayahauptstädte. Lange Zeit lag die Geschichte von Palenque (span. »Befestigte Häuser«) völlig im Dunkeln. Man wusste zwar, dass dieser Ort bereits vor der Zeitenwende, also in präklassischer Zeit, bewohnt war, aber seinen Höhepunkt nicht vor dem 6. Jh. n.Chr. erlebte. Durch die Entzifferung der Hieroglyphenschrift, ist uns ein Teil der Geschichte Palenques bekannt geworden. Die große Stunde Palenques scheint nach den Krisen im südlichen Maya-Tiefland gekommen zu sein.“

Viele Gebäude von Palenque liegen noch immer unter Urwald vergraben, doch was man sieht, ist einfach beeindruckend: schon 4000 v.Chr. wohnten hier Menschen mit ägyptischen und asiatischen Wurzeln, und haben riesige Bauten geschaffen!

Unser Führer, ein total liebes Männchen um die 60, hat uns alles ganz toll erklärt und uns etwa 2 Stunden durch die Anlage geführt. Wen es mal nach Chiapas verschlägt, der kommt um Palenque nicht herum!!

Zurück ging’s dann wieder 4 Stunden auf der „Ich glaub mir wird schlecht- Straße, Ankunft um 21 Uhr abends im saukalten San Christobal und um 22 Uhr abends ging es direkt weiter auf die 12-stündige Fahrt nach Puerto Escondido, einem Strand an der Pazifikküste im Staat Oaxaca.

 

Freitag, 24.11. und Samstag, 25.11.

Zu Puerto Escondido muss ich nicht viel schreiben; toller Strand, Nebensaison, geiles Wetter, Kathi und ich stundenlang am Strand! Einfach herrlich!

Tja, und Samstagnacht ging es auch schon wieder 13 Stunden nach Mexiko Stadt, wo wir dann Sonntag um 8.30 ankamen!

 

Alles in allem, der Urlaub war herrlich!