Am Sonntag waren wir mit unserem Lehrer des Kurses „Geschichte der Kultur“ in der Stierkampfarena von Mexiko Stadt. Da Carlos Spanier aus Navarra (Pamplona!) ist, ist er mit mit Stierkämpfen aufgewachsen, total begeistert und wollte uns gerne einen Teil seiner Kultur näher bringen. Ich stand dem Ganzen eher ablehnend gegenüber, wollte aber auch nicht neine sagen, also gingen wir. Die Arena ist ein riesengrosses Stadium mitten in der Stadt und wird einzig und allein für Stierkämpfe genutzt. Schon vor dem Eingang fiel mir auf, dass die Menschenmenge nicht etwa aus „Nacos“ (Asozialen) bestand, sondern aus Menschen der Mittel- und Oberschicht. Sogar viele nationale Stars lassen sich dieses Event nicht entgehen- sehen und gesehn werden also. Wir deutschen Mädels wurden erstmal vor dem Eingang der Arena von einer der grössten Stadtzeitungen „La Reforma“ geknipst…náchsten Sonntag sind wir in der Ausgabe zu sehen! Vor dem Stadion wird allerhand verkauft, Bilder von Toreros, Sombreros, Weinschläuche, Torero-Kostüme für Kinder und sogar ausgestopfte Stierköpfe. Nach dem wir uns an einer Paella in einem nahegelegenen Restaurant gestärkt hatten, ging´s los: Zu Anfang ist die Arena mit lauter Schriftzügen und Blumen verziert, die dann feierlich von den im Spektakel involvierten Menschen geräumt werden. Dann stellten sich di drei Toreros des Tages vor: traditionell sind es zwei Mexikaner und ein Spanier, die jeweils 2 Bullen, also 6 insgesamt, töten. Ausserdem hat jeder Torero drei Helfer, die den Stier am Anfang des Kampfes…“ärgern“, könnte man sagen, bis der Torero dann alleine auf dem Platz steht. Zwei Pferde sind auch involviert: sie sind komplett in Schaumwatte eingepackt (sieht unheimlich blöd aus), und der Reiter ist derjenige, der die Haut des Stieres zuerst durchsticht, um ihn anzustacheln. Natürlich greift der Stier die Pferde dann an und schmeisst sie sogar um; da sie aber so eingepackt sind, passiert ihnen nichts. Alles zu beschreiben, fällt mir schwer, das muss man einfach mal gesehen haben. Die Leute feuern ihre Toreros mit wilden „Ole“ (nicht etwa Olé, sondern ausgeschsprochen wie der nordische Name!) an, und die Toreros selber stolzieren stolz und selbstsicher durch die Arena. Wenn der Stier nicht stark oder wild genug wirkt, wird er ausgepfiffen und durch einen anderen ersetzt; ganz selten wird ein Stier sogar während des Kapfes begnadigt, wenn er sich als wirklich stark, tückisch und „tapfer“ bewiesen hat. Ich würde mich schon als Tierfreund bezeichnen und finde es bestimmt nicht gut, wenn Tiere leiden; Stierkämpfe haben für mich aber viel mit Kultur zu tun und ich würde jedem empfehlen, sich mal einen anzusehen, denn so grausam, wie ich es erwartet hätte, war es gar nicht; mir schien, als würde der Stier am Ende sehr schnell mit einem geübten Stich in den Rücken getötet werden…. aber jeder sollte sich selber seine Meinung darüber bilden….

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